Zugang zu Medikamenten
Menschen in Entwicklungsländern haben oft nur unzureichenden oder keinen Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten.
Der Zugang zu Medikamenten ist durch große globale Ungleichheit gekennzeichnet: 75 Prozent der Menschen leben in Entwicklungsländern, doch nur 8 Prozent des weltweiten Pharmaabsatzes entfallen auf sie; 15 Prozent der Weltbevölkerung konsumieren über 90 Prozent der pharmazeutischen Produkte. Fast 2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu essenziellen Medikamenten - das ist jeder dritte Mensch in den Entwicklungsländern, in weiten Teilen Asiens und Afrikas ist es jeder zweite.
Dadurch erkranken und sterben jährlich Millionen von Kindern, Frauen und Männern an Krankheiten, die mit Medikamenten behandelbar wären. Dies betrifft Infektionskrankheiten, wie HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. Bei diesen sind Frauen und Kinder besonders häufig betroffen. Dies betrifft „vernachlässigte tropische Krankheiten“, wie die Schlafkrankheit, und nicht-infektiöse Krankheiten, wie Herzkreislauferkrankungen.
20 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Krankheiten, die eigentlich behandelbar wären. Sie sterben nicht zuletzt deshalb, weil selbst lebensnotwendige Medikamente unerschwinglich teuer sind, weil sie unwirksam sind, nicht mehr dem wissenschaftlichen Fortschritt entsprechen, nicht den lokalen Verhältnissen angepasst sind oder weil sie für die Krankheiten in den armen Ländern gar nicht erst entwickelt und produziert werden. Mit einem verbesserten Zugang zu Medikamenten könnten zehn Millionen Menschenleben jedes Jahr gerettet werden.
Ein wichtiger Grund für mangelnde Verfügbarkeit von Medikamenten sind die internationalen Patentregeln, die im TRIPS-Abkommen der WTO festgeschrieben sind. Es gibt zu wenig Medikamentenforschung für überwiegend die Armen betreffende Krankheiten, weil das Patentsystem Forschung für Medikamente fördert, für die ein lukrativer Markt besteht. Wenn Medikamente zur Verfügung stehen, sind diese für die armen Menschen in den Entwicklungsländern unerschwinglich teuer, da die internationalen Patentregeln Medikamente als geistiges Eigentum betrachten. Dadurch können Pharmafirmen ihre Medikamente patentieren, dies verhindert Wettbewerb und treibt die Preise in die Höhe.
Der EED engagiert sich in der Aids Kampagne des Aktionsbündnis gegen AIDS für Preissenkungen bei Medikamenten und für Generikaproduktion durch die Entwicklungsländer. Im ökumenischen Verband setzt er sich als Mitträger der Ecumenical Advocacy Alliance und im Pharmadialog in der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung für einen verbesserten Zugang zu Medikamenten ein.
Zugang zu Medikamenten in der EU
Die Europäische Kommission hat im November 2008 einen vorläufigen Bericht veröffentlicht, der die Ergebnisse einer Untersuchung des Pharmazeutischen Sektors zu Wettbewerb in der Pharmaindustrie und zum Thema Generika beinhaltet. Eines der Ergebnisse lautet: die Einführung von Generika wird durch massive Ausweitung von Patenten und Patentclustern gezielt verzögert.
- Executive Summary des Berichts (16 Seiten, 118 KB)
- Pharmaceutical Sector Inquiry. Preliminary Report (426 Seiten, 2 MB)
Weitere Informationen
- med4all-Broschüre: Medizinische Forschung: Der Allgemeinheit verpflichtet. „Equitable licenses“ für Ergebnisse öffentlich geförderter medizinischer Forschung. Diese Broschüre liefert Hintergrundinformationen zur Arzneimittelversorgung in armen Ländern, veranschaulicht mit zahlreichen Fallbeispielen die Erfahrungen amerikanischer Forschungseinrichtungen mit neuen Lizenzmodellen und bietet Lösungsansätze für die deutsche Forschungspolitik an.
- Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF)
- MSF Kampagnen-Seite Zugang zu essentiellen Medikamenten
- Intergouvernementale Arbeitsgruppe für öffentliche Gesundheit, Innovation und geistiges Eigentum (IGWG) bei der WHO
- "Medizinische Forschung – der Allgemeinheit verpflichtet" lautet der Titel eines gemeinsamen Projektes der Charité - Universitätsmedizin Berlin, des Zentrum für Europäische Rechtspolitik in Bremen und der BUKO Pharma-Kampagne in Bielefeld. Pressemitteilung
- Die Ecumenical Advocacy Alliance (EAA) hat in 2008 eine Kamapagne gestartet zu Diagnose und Behandlung von Kindern die mit HIV und Aids leben. Die Kampagne steht im Lichte der sich im November 2009 zum 20. Mal jährenden Verabschiedung der Kinderrechtskonvention.
- Buchtipp: Ellen ‘t Hoen: "The Global Politics of Pharmaceutical Monopoly Power"
